8ung Zombies! – Analoge Medien im digitalen Alltag

Diese analogen Medien, irgendwie wollen sie nicht aus unserem digitalen Alltag verschwinden. Warum nur? Brauchen wir sie wirklich noch? Ist nicht Streaming „der neue heiße Scheiß“, der dafür sorgen wird, dass ganze Wohn- und Kinderzimmereinrichtungen in spätestens drei Jahren komplett anders aussehen werden?

Dann benötigen wir endlich keine Plattenschränke, Bücherregale und CD-Racks mehr.

Doch noch durchläuft unsere Gesellschaft eine Transformationsphase. Das analoge Produkt lebt, ob als Geschenk, aus Gewohnheitsgründen oder von dem Wunsch nach Nostalgie und Individualität. Besonders im Musikbusiness wehren sich die analogen Zombies. Die gute alte Schallplatte – wie oft wurde sie für tot erklärt? Doch sie lebt. In der ersten Dezemberwoche 2016 gaben Musikfans in Großbritannien erstmals mehr Geld für Vinyl als für digitale Downloads aus, wie der Branchenverband Entertainment Retailers Association (ERA) mitteilte. Auch in Deutschland wuchsen die Umsätze mit der Schallplatte in den ersten neun Monaten des letzten Jahres um die Hälfte.

Unsere Gesellschaft durchläuft noch eine Transformationsphase

„Das mag damit zusammenhängen, dass die zunehmende Digitalisierung unserer Welt bei vielen den Wunsch nach analogen Ankerpunkten hervorruft. Erfreulicherweise gibt es in der Branche aber nicht das Ausschlussprinzip, im Gegenteil: Parallel wächst das Streaming weiter, und die meisten Fans hören Musik auf mehreren Kanälen. Es gilt eben nicht ‚digital oder analog‘, sondern ‚digital und analog‘ – Hauptsache, die Musik ist überall dort verfügbar, wo der Kunde die Musik genießen will“, erklärt Dr. Florian Drücke, Geschäftsführer des Bundesverbands Musikindustrie (BVMI), das Phänomen. Beim Hörspiellabel EUROPA (Sony Music Entertainment) macht man ähnliche Erfahrungen. Mit 42,9 Prozent Umsatzanteil ist EUROPA laut GfK aktuell und in ähnlicher Höhe seit Jahren klarer Marktführer im Segment Kinder- und Jugendhörspiel. Das wird überwiegend noch auf CD gekauft. Auf ihr sind die Tracks zwar digital, aber sie ist ein physisches Produkt. Was EUROPA als digitalen Anteil wertet – Downloads und Streaming – wächst deutlich.

„Wir sehen das als große Chance und machen unseren Content fit für die digitalen Möglichkeiten“, sagt Arndt Seelig, Director Family Entertainment bei Sony Music. „Einen Schwerpunkt setzen wir im Bereich Streaming. Die zunehmende Nutzung mobiler Geräte wird die Verfügbarkeit unserer Hörspiele steigern.“ Seit Ende letzten Jahres ist das „Die drei ???“-Gesamtwerk über Streaming erhältlich. Jederzeit und überall auf seine Lieblingsfolgen zugreifen – nicht nur für eingefleischte Fans der Kultserie wurde ein Traum wahr. Und dennoch lebt auch bei EUROPA ein Relikt aus den 80er-Jahren weiter: Noch im Jahr 2015 haben „Die drei ???“ ca. 80.000 Kassetten verkauft.

Analoge Produkte werden als Ausdruck von Individualität in der Nische überleben

Seelig: „Deutschland und speziell auch Family Entertainment ist unheimlich physisch geprägt. Und der Geschenkefaktor ist extrem hoch. Es lässt sich einfach besser eine CD oder auch DVD verschenken als ein Download-Code.“ Die digitale Verfügbarkeit von Medien immer und überall setzt sich mit Tablets und Smartphones langsam, aber sicher durch. Das gilt nicht nur für Musik und Hörspiele, sondern auch für TV und Filme, Bücher und Games. Doch analoge Produkte werden als Ausdruck von Individualität in der Nische überleben. So lange, wie auch die Hardware angeboten wird.


Sandra MehlbergKB&B gestaltet die Cover der Musik- und Hörspielangebote EUROPAs. Auch die Streamingportale können mit ihren Playlists nicht auf das „gelernte“ Gestaltungsmerkmal Platten- oder CD-Cover verzichten. Besonders Kinder benötigen einen optischen Anhaltspunkt für ihre häufig emotional geprägten Entscheidungen. Sie sehen an den Covern, ob sie die Folge schon kennen, und antizipieren deren Inhalt. KB&B ist gewissermaßen Navigator durch beide Welten.
Sandra Mehlberg, Account Managerin/ KB&B – The Kids Group