Die Kinder-Kenner: Unsere 3 Experten im Interview!

Mit welchen Medien oder Applications erreichen Sie Kinder und Familien auf der digitalen Ebene am besten?

Rolf KlugeDr. Rolf Kluge: Generell erfreuen sich sowohl Smartphone und Tablet als auch eReader und natürlich das Fernsehen bei Kindern großer Beliebtheit. Kinder sind neugierig, Unterhaltung und Abenteuer, aber auch Antworten auf ihre Fragen und das „Mitredenkönnen“ sind ihnen wichtig. Apps sollten auf Fähigkeiten (motorische und Lesefähigkeiten) und Interessen der Kinder abgestimmt sein und deren Neugier anregen. Solche, die Themen aus der alltäglichen Lebenswelt der Kinder aufgreifen, unterstützen diese, zeitgemäß und motiviert zu lernen, interaktive Kinderbücher und eBook-Reader fördern die Freude am Lesen.

Jennifer RubelJennifer Rubel: Die Lufthansa hat als erste internationale Airline schon früh erkannt, dass beispielsweise Apps eine gute Möglichkeit sind, Kinder auf spielerische Art und Weise an das Thema Fliegen heranzuführen und ihnen die spannende Welt hinter den Kulissen einer Airline zu zeigen.

Darüber hinaus arbeitet unser Fachbereich „Digital Innovations“ fortwährend an neuen und innovativen Angeboten – auch für Kinder und Familien.

So entwickeln wir gerade mit Hochdruck eine zeitgemäße Online-Plattform für die ganze Familie.

Christian BreidChristian Breid: Kinder und Familien erreicht man am besten, wenn man mit dem richtigen Content dort ist, wo sich die Zielgruppe aufhält und ein bestimmtes Bedürfnis artikuliert. Ob es Entertainment in einer Community, wie etwa musical.ly, oder ein Ratgeberformat für Eltern ist. Wichtig ist, dass Unternehmen sich nicht überlegen, was Kindern gefallen könnte. Vielmehr müssen wir vermehrt lernen, sehr genau zuzuhören. Mit datengetriebenen Analysen ist es heute sehr gut möglich, die individuellen Interessen herauszufinden und zielgenau in die geeigneten Kanäle zu bringen und bedürfnisgerechte Applikationen und Plattformen zu entwickeln.

Welche Rolle spielen für Sie Meinungsführer (Influencer) im Web?

Dr. Rolf Kluge: Sie spielen eine wichtige Rolle, denn sie üben einen immer größeren Einfluss aus. Auch im App-Marketing können Influencer zum Erfolg verhelfen. Dies funktioniert besonders gut bei Usern, die sich aufgrund ihres ähnlichen Alters und gemeinsamer Interessen, z. B. Themen wie sichere Kinder-Apps, gute Fitness- und Diät-Apps oder hilfreiche Lern-Apps, an den Meinungsführern orientieren.

Je überzeugender der Meinungsführer, desto wahrscheinlicher, dass die Social-Web-User die App installieren, was durchaus zu einer Top-Platzierung in den App-Stores führen kann.

Jennifer Sommer: Influencer-Relation und Influencer-Marketing sind bei einem so emotionalen Thema wie Reisen immer schon sehr wichtig gewesen – nicht erst seit das ganze digital beziehungsweise über die Social-Media-Kanäle eine professionalisierte Form bekommen hat. Die wichtigsten und glaubwürdigsten „Influencer“ für Eltern und Kinder sind andere Familien, die von ihren positiven Erlebnissen mit Lufthansa berichten und ihre Erfahrungen teilen. Wenn sie dies via Social Media tun, ist das für uns ein großes Kompliment. Natürlich helfen uns auch reichweitenstarke „bekannte“ Influencer, die sich in unserem Auftrag auf die Reise machen und darüber posten. Für den Bereich Kinder- und Familienmarketing wird das sicherlich zukünftig eine noch größere Rolle spielen.

Christian Breid: Wo Konsumenten früher einem Hobby nachgegangen sind, werden sie heute zu regelrechten Experten. Der Anspruch steigt enorm. Die Qualität des Erlebten muss in den jeweiligen Communitys Anerkennung finden.

Influencer nutzen genau dieses Phänomen aus und werden zu individuellen Experten, Ratgebern, die den Konsumenten inspirieren und ihn in einem individuellen Interessensfeld zu einer besseren Version seiner selbst werden lassen. Dadurch scharen sie eine große Masse an Gleichgesinnten um sich, die einen Einfluss auf die Meinungsbildung im Vorfeld einer Kaufentscheidung bringen können.

Was wird den Familienalltag in den kommenden zehn Jahren am stärksten verändern?

Dr. Rolf Kluge: Immer mehr Brands bringen Usern ihre Marke innovativ und spielerisch näher, zum Beispiel mit Virtual-Reality-Welten, die interaktiv erfahrbar sind. Während Papa also mit dem neuesten Sportwagenmodell durch die Straßen einer Metropole düst, kann Mama schon vor dem Einzug ins neue Haus die Einrichtung planen. Im Bereich Bildung könnten besonders Schüler und Studenten von der „echten virtuellen Realität“, die die neuesten VR-Brillen (z. B. die HoloLens) ermöglichen, profitieren. Körperorgane, Planeten oder Gebäude können als animierte Objekte mitten in dem Raum geholt und von allen Seiten betrachtet werden – wirklich beeindruckend!

Jennifer Rubel: Die „natürliche“ Verschmelzung von Digital und Non-digital – das „Internet-of-things“ wird sicherlich in viele Bereiche des Familienalltages Einzug halten. Ob Virtual oder Augmented Reality jedoch das Erlebnis einer echten Reise zu ersetzen vermag, wage ich zu bezweifeln.

Christian Breid: Wie schaffen wir es, das zunehmende Angebot an Medien und Kanälen in den Alltag zu integrieren, ohne eine Hysterie aufkommen zu lassen? Kinder haben da weniger Probleme, als die Erwachsenen denken. Sie nehmen sich das Medium, das ihnen in einem bestimmten Moment am besten die Bedürfnisse erfüllt. Ich bin sehr gespannt, wie sich neue Technologien, wie etwa VR in den Alltag integrieren lassen. Lerninhalte über Google Cardboard abzubilden ist da nur eine, aber sehr einfache Möglichkeit. In zehn Jahren gibt es aber wahrscheinlich schon wieder Innovationen, an die wir heute nicht einmal im Traum denken.


Unsere Experten:

Rolf KlugeDr. Rolf Kluge ist als CTO Mitbegründer der APPSfactory, einer der führenden Spezialagenturen Deutschlands für die Konzeption und Entwicklung von Applikationen für Smartphones, Tablets, Smartwatches und Smart-TV.


Jennifer Rubel

Jennifer Rubel, seit über 15 Jahren in verschiedenen Positionen im Marketing bei Lufthansa, ist Themenmanagerin Kinder- und Familienmarketing und verantwortet u. a. die Planung und Umsetzung von Marketing- und Kommunikationsmaßnahmen für die Zielgruppe Kinder, Jugend und Familien.


Christian Breid

Christian Breid ist seit April 2016 Geschäftsführer des Hamburg Office der Medien- und Digitalagentur C3 Creative Code and Content GmbH.